Heute stellen wir Ihnen unsere Kollegin und langjährige Stellvertreterin des Direktors in der Niederlausitz vor. Sie hat sich zwar in den Ruhestand begeben, bleibt aber trotzdem aktiv und weiterhin an sorbischen Themen interessiert und für diese engagiert.
Herzlichen Dank und alles Gute dir, liebe Sabine! Wir wünschen dir Wohlergehen, Gesundheit und eine schöne Zeit!
(1) Seit wann arbeitest du bei der Stiftung und warum hast du dich hier beworben?
Ich arbeite seit 1996 bei der Siftung - habe also in diesem Jahr mein 30-jähriges Jubiläum. Seinerzeit wurden bei der Stiftung Regionalbüros aufgebaut als Ausgleich für die Abwicklung des Hauses für sorbische Volkskultur. Im HfsV hatte ich 6 Jahre lang große niedersorbische Projekte entwicklelt wie die Niedersorbische Hochzeit als Filmdarstellung und als Bühnenpräsentation, sorbische Programme zur Bundesgartenschau in Cottbus und zu sorbischen Festen. Ich wollte auf alle Fälle weiterhin niedersorbische Kulturprojekte unterstützen bzw. durchführen und die Stiftung bot mir diese Möglichkeit an. Außerdem wollte ich weiterhin im Wendischen Haus Cottbus tätig sein, zu dessen Entstehung als Domizil für die Niedersorben ich in der Zeit der politischen Wende maßgeblich beigetragen hatte.
(2) Würdest du bitte kurz deine Aufgaben bei der Stiftung beschreiben?
Meine Aufgabe war es, in der Niederlausitz eine regionale Abteilung aufzubauen, v.a. mit den Förderschwerpunkten niedersorbische Sprache, Kinder und Jugend, aber auch für alle anderen Bereiche. Mit nur 2 Personen haben wir uns hier um den Aufbau neuer Strukturen bemüht und Kontakte geknüpft, Projektanträge eingeworben und gleichzeitig selber Projekte wie die Schadowanka und Herbstkonzerte organisiert und durchgeführt.
Ich habe hier eine "Arbeitsgruppe für die niedersorbische Sprache" aufgebaut, um das Fortbestehen und die Weiterentwicklung des Niedersorbischen zu stärken. Diese Aufgaben wurden dann vom Witaj Sprachzentrum und später vom Sorbischen Institut in anderer Form weitergeführt. Unsere Abteilung in Cottbus wurde Schritt für Schritt ausgebaut. Viele neue Aufgaben kamen hinzu wie die Bewirtschaftung der Immobilien und Technik für die sorbischen Institutionen in Cottbus, die Niedersorbische Bibliothek oder Marketingmaßnahmen. Die Anzahl der Projektanträge aus unserer Region hat stark zugenommen - auch durch neue Formate wie der Ideenwettbewerb. Heute haben wir in unserer Zweigstelle 9 Angestellte, bei denen ich mich sehr herzlich für die teamübergreifende Zusammenarbeit und für die gegenseitige Unterstützung bei größeren Vorhaben in der Niederlausitz bedanken möchte.
(3) Was hat dich in deiner Arbeit besonders herausgefordert?
Zunächst musste ich mich in Verwaltungs-, Rechts-, Personal- und Finanzvorschriften einarbeiten, denn das war nicht Bestnadteil meines Studiums der Kulturwissenschaften und Sorabistik an der Uni in Leipzig. In Vorbereitung auf meine Funktion als stellvertretende Direktorin habe ich auch ein 6 wöchiges Praktikum im brandenburger Finanzministerium und im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur in Potsdam absolviert. Herausfordernd war auch, dass ich 3-4 Mal pro Monat nach Bautzen fahren musste, denn damals gab es noch keine Online-Beratungen.
Gefallen hat mir immer, dass die Arbeit sehr abwechslungsreich war. In mehreren Gremien konnte ich meine Kenntnisse und Erfahrungen einbringen und ich war immer verbunden mit den verschiedensten Vereinen, Kommunen und Institutionen. Auch für Abgeordnete der Parteien und die Geldgeber in Brandenburg war ich immer eine kompetente Ansprechpartnerin. In den 30 Jahren bei der Stiftung habe ich verschiedene Strukturdiskussionen und die damit verbundenen Umstruktuierungen in sorbischen Institutionen miterlebt, wo ich immer vesuchte, auf die Besonderheiten in der Niederlausitz hinzuweisen.
(4) Woran erinnerst du dich gern oder besonders?
In den ersten Jahren war ich oftmals in der Region bei potentiellen Projektträgern unterwegs und habe auch selbst Projekte initiiert und unterstützt. Das war sehr abwechslungsreich, aber auch herausfordernd. So haben wir selber regionale Ausbildungen von Tanzgruppenleitern und Chorwerkstätten konzipiert und durchgeführt. Zum Internationalen Filmfestival des Osteuropäischen Films in Cottbus habe ich Kontakte aufgebaut und mich darum bemüht, dass auch sorbische Filme und Filmemacher dort ihren Platz finden - heute haben wir hier die bekannte Sektion Heimat | Domownja | Domizna und vergeben jährlich einen Preis an einen sorbischen Filmemacher.
Als großen Erfolg betrachte ich auch den Aufbau der Niedersorbischen Kulturakademie, worum wir uns mehr als 10 Jahre über das "Forum Niederlausitz" und über Stiftungsgremien bemüht haben. Hier ist mal was entstanden, was nicht den Strukturen in der Oberlausitz entspricht aber enorm wichtig für die Gewinnung und Ausbildung künstlerischen Nachwuchses in der Niederlausitz ist.
(5) Dein Wunsch für die Zukunft der Stiftung (der Sorben?)
Wir brauchen keine großen Strukturdiskussionen mehr, welche ich mehrfach miterlebt habe und die wichtige Kräfte verbraucht haben und Unruhe und Mißtrauen verbreitet haben. Wir haben etablierte Unikate sorbischer Institutionen in den verschiedenen Fachbereichen, welche jedoch dahingehend evaluiert werden sollten, wie die vorhandenen Gelder entsprechend der neuen Anforderungen am effektivsten eingesetzt werden können. Keiner sollte nur an seine Einrichtung denken, sondern sich noch mehr austauschen und zusammen arbeiten, als Multiplikatoren auch für kleine Projektträger wirken und in allen Bereichen immer auch die Niederlausitz unterstützen. Schließlich haben wir ein gemeinsames Ziel: den Erhalt und die Weiterentwicklung der sorbischen Sprache und Kultur in der gesamten Lausitz und für die Sorben auf der ganzen Welt.
Ich wünsche meiner Nachfolgerin Frau Sylke Laubenstein-Polenz/ Sylka Laubensteinowa-Poleńcojc alles Gute und viel Erfolg, damit wir auch in Zukunft eine anerkannte und kompetente Stellvertreterin des Direktors in der Niederlausitz haben.
(6) Liebe Sabine, magst du uns etwas zu deinen Plänen für den Ruhestand verraten?
In Cottbus fehlen als touristische Angebote Stadtführungen zur sorbischen Geschichte und zu sorbischen Besonderheiten, und das in deutscher und sorbischer Sprache. Ab dem Frühjahr biete ich das über die Congress, Messe & Touristik GmbH an. Als ehrenamtliches Mitglied der Strategiegruppe zur Erarbeitung einer niedersorbischen Sprachstrategie beim Sorbischen Institut kann ich meine jahrelangen Erfahrungen einbringen und mit anderen neue Ideen entwickeln. Außerdem bin ich Vorsitzende der 70 Mitglieder zählenden Domowina-Ortsgruppe Cottbus und möchte hier den persönlichen Kontakt vor allem zu älteren Mitgliedern internsivieren und neue Vorhaben entwickeln. Und natürlich freue ich mich auf mehr Zeit für schöne Erlebnisse mit unseren 4 Enkelkindern.