Der Förderpreis der Stiftung für das sorbische Volk wird 2026 an einen Filmschaffenden verliehen, der sich in seinem filmischen Werk auf inhaltlich und künstlerisch herausragende Weise mit sorbischer/wendischer Kultur, Geschichte und Sprache auseinandersetzt: an Reiner Nagel.
Geboren in Bautzen/Budyšin, aufgewachsen in einer sorbischen Familie in Radibor/Radwor, absolvierte er 1994 eine Zimmererlehre. Seine ersten Erfahrungen in der Filmwelt machte er 1998–2000 als Kameraassistent beim Sorabia Film Studio in Bautzen. 2001-2002 folgte ein Praktikum bei ARRI in Berlin. Die anschließende Arbeit als freier Kameraassistent war der Beginn seiner professionellen Laufbahn. 2004 nahm er in Prag ein Kamerastudium an der renommierten Film- und Fernsehfakultät der Akademie der Musischen Künste, der FAMU auf, das er 2008 mit dem Bachelor of Arts als Jahrgangsbester abschloss. 2009 erhielt er für seinen Film „SEN / The Dream“ den Jaroslav-Kučera-Preis der Assoziation Tschechischer Kameramänner (A.Č.K.).
Am 1. Januar 2012 schuf sich Reiner J. Nagel mit der Gründung seiner Produktionsfirma ostwärts-film eine berufliche Heimat. Mit „Wo die Gagausen wohnen“ (2013) und „Rublak kehrt zurück“ (2014) folgten die ersten Koproduktionen von ostwärts-film mit dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb). Mit „Miłosć Kamjenja“ (2019), einem gemeinsam mit Hellmuth Henneberg umgesetzten Film über den slowakischen Choreografen Juraj Kubanka, mit der Kamera- und Produktionsarbeit für das Auftragswerk des rbb „Wir sind schon echte Polen“ (Regie Britta Wulf) sowie der Produktion „Über Deutschland“ von Bernhard Sallmann setzte er seine filmische Arbeit fort. 2022 entstanden die Film-Interviewreihen „Was heißt hier Minderheit“ im Auftrag des Minderheitensekretariats der Bundesregierung und der Domowina sowie „Čej’ da sy?“ im Auftrag des Sorbischen Museums Bautzen. 2023 folgte die Gemeinschaftsproduktion des rbb und ostwärts-film „5,3 Prozent – Die Finnlandschweden“ (Regie Britta Wulf). Das 36. FilmFestival Cottbus präsentiert am 08.11.2026 die Weltpremiere seines neuen Filmes “ŠTOM STEJO MRĚJE – AM ENDE DES BROTBAUMES“.
2014 gab Reiner J. Nagel einen entscheidenden Impuls zur Gründung eines Netzwerks sorbischer und Lausitzer Filmschaffender im Jahr 2015, welches als Łužycafilm|Sorbisch-Deutsches Filmnetzwerk beim 35. FilmFestival Cottbus sein 10-jähriges Jubiläum beging.
Im 2024 von Grit Lemke und Andy Räder in Kooperation mit dem Sorbischen Institut herausgegeben Buch „Sorbische Filmlandschaften. Serbske filmowe krajiny“ widmete er sich in einem Beitrag dem Filmschaffenden Konrad Herrmann und somit einem bedeutenden Teil sorbischer Filmgeschichte.
Im Schaffen von Reiner J. Nagel verbinden sich die technische Präzision des Kameramanns mit der künstlerischen Neugier des Filmemachers. Er hat seine sorbische Herkunft und Identität nie als Begrenzung verstanden, sondern immer als Ausgangspunkt für die Erkundung anderer Lebenswelten. Der Preis soll für ihn auch Ermutigung sein, weitere sorbische Filmideen umzusetzen.